Sucker Punch

Jaha, mal wieder ein Film Review. Ich hab die letzten Wochen und Monate einiges gesehen, wobei auch nicht so viel, wie ich gern gesehen hätte. Doch Sucker Punch war ein Film auf den ich mich seit dem ersten Trailer tierisch gefreut habe. Es geht um Mädels in Schulmädchenuniform und anderen engen Klamotten, die mit Katana, Pistolen, Maschinengewehren und anderen tollen Spielzeugen bewaffnet, gegen diverse menschliche und unmenschliche Gegner antreten müssen. Das ganze garniert mit tollen Effekten und Atmosphärischen Szenen.

Wem der Film nun so gar nichts sagt, kann sich bevor er oder auch sie ( 😉 ) weiter liest, mal diesen Trailer anschauen.

Der Trailer machte auf jeden Fall Lust auf mehr und so war ich dann kürzlich auch im Kino um mir den neusten Streifen von Zack Snyder, seines Zeichens auch verantwortlich für 300, Watchmen und Dawn of the Dead. Mit diesem Wissen im Hinterkopf waren die Erwartungen vielleicht sogar doch etwas höher als es gut für den Film war, denn der Sturz war tief.

Vorweg, die Effekte sind 1A und auch der Soundtrack weiß zu überzeugen, allerdings können diese beiden Punkte nicht über den Plumpen Versuch einer Story im Film hinweg täuschen. Baby Doll (Emily Browning) wird, nach einer Verkettung von unglücklichen Zuständen durch Ihren boshaften und gewalttätigen Stiefvater in eine Klinik für schwer erziehbare Mädchen eingeliefert. Dort soll sie eine Lobotomie erhalten, eine Operation an den Hirnlappen die Schmerz und Emotionen abschaltet und heutzutage in der Medizin nicht mehr praktiziert wird.

Nach der Einlieferung in besagte Klinik nimmt dann das Schicksal seinen Lauf und das junge blonde Mädchen flüchtet sich in Level 1 ihrer Traumwelt. Hier ist die Klinik ein sehr grotesker Mix zwischen Strip-Club und Bordell. An diesem Ort lernt sie auch ihre vier Mitstreiterinnen Blondie (Vanessa Hudgens), Sweet Pea (Abbie Cornish), Rocket (Jena Malone) und Amber (Jamie Chung) kennen. Mit Ihnen gemeinsam macht sich Baby in der 2. Ebene Ihrer Traumwelt, die sie erreicht in dem sie tanzt(!), auf die Suche nach 5 Gegenständen, die sie braucht um in Ebene 1 aus der Klinik ausbrechen zu können.

Nun geht die irrwitzige Schatzsuche nach einer Karte, einem Messer, Feuer, einer Uhr und der Lösung eines Rätsels los. Dabei müssen die 5 Amazonen, die in Ebene 2 noch engere, nennen wir es mal Kleidungsstücke, tragen, gegen riesige Robo-Samurai, deutsche Zombie-Soldaten oder Hightech-Killer-Roboter antreten. Das Quintett bestreitet diese Aufgaben alle sehr souverän und so kommen sie, ihrem Ziel augenscheinlich leichtfüßig immer näher.

So viel zur Story die wirklich in großen Teilen einem Videospiel hätten entsprungen sein können, doch Sucker Punch hat anderes als 300 oder auch Watchmen keine Comic-Vorlage sondern ist den Hirnwindungen Zack Snyders persönlich entsprungen. Da merkt man dann leider auch, dass Snyder zwar ein Auge für das Bild hat, aber keinen Sinn für Tiefgang. Die Charaktere bleiben Ausnahmslos blass und austauschbar. Man hat weder großes Mitgefühl mit Baby Doll als sie ihre Mutter und Schwester verliert noch mit einer der anderen Mädchen. Auch als sich die Gruppe zum Wohl der anderen immer weiter minimiert ist das für den Zuschauer ziemlich egal, denn eine Bindung konnte zu den Mädels einfach nicht aufgebaut werden.

Zudem hat der Film einige kleine Strecken, die sich gefühlt aber wirklich ziehen, ich hab mich selbst dabei erwischt wie ich mehrmals im Kino auf die Uhr geguckt habe um zu wissen ob denn nicht bald Schluss ist.

Was den Film für Film-, Videospiel- und Comic-Fans sicherlich reizvoll macht, sind die mehr oder weniger versteckten Anspielungen an eben diese. So wurde ich bei der Aufzählung der zu suchenden Gegenstände unweigerlich an Nintendos Mega-Hit The Legend of Zelda erinnert und die diversen Ebenen von Realität und Phantasie scheinen eine Idee zu sein, die Snyder nach dem gucken von Inception gekommen sein könnte. Doch all das reicht meiner Meinung nach nicht um über die offensichtlichen Schwächen hinweg zu täuschen.

Der Ansatz von Sucker Punch ist wirklich sehr gelungen und vielleicht auch mutig von Snyder, denn offensichtlich gibt er hier auch den einen oder anderen kleinen Fetisch von sich selbst preis. 😉 Mit der einen oder anderen kleinen Änderung an der Story hier und da, hätte Sucker Punch wirklich gut werden können, so bleibt er aber ein belangloser Streifen, mit wuchtigen Effekten, blassen Charakteren und einem guten Soundtrack.

Kommentar verfassen