Ryse: Son of Rome

ryseVor einiger Zeit gab es das Spiel mal als Download Titel für die Xbox One im Angebot, da habe ich dann einfach mal zu geschlagen und es erst mal auf der Festplatte liegen lassen. Zum einen hatte ich genug anderes zu tun und zum anderen nicht direkt Lust auf das Spiel; immerhin eilte dem römischen Epos aus dem Hause Crytek ein Ruf als Grafikblender voraus.

In Ryse: Son of Rome werden wir auf die Geschichte des römischen Soldaten Marius Titus mitgenommen. Dieser wuchs in einer reichen Militärfamilie auf und so war es auch nicht verwunderlich, dass auch Marius sich dem Militär anschloss. Als er eines Tages zurück nach Rom kommt und dort seinen Vater besucht, gerät die Hauptstadt des römischen Reichs unter einen Angriff der Barbaren aus dem Norden. Marius‘ Familie findet während des Angriffs den Tod und unser Held, wird in Folge seiner Kampfbereitschaft von seiner Kompanie, in die XIV. versetzt. Von nun an ist die Mission klar, Rache für den Tod seiner Familie.

Grafisch bietet Son of Rome dabei wohl das Beste, was ich in meiner langen Zeit als Gamer je gesehen habe. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet und bewegen sich wirklich butterweich, einzig und allein die Mimik kommt noch nicht ganz an die von L.A. Noir heran, aber ansonsten sehen die menschlichen Figuren einfach umwerfend aus. Auch die Umgebung steht diesem in nichts nach, gestochen scharfe Texturen, wahnsinnige Weitsicht und eine Detailverliebtheit bis zum geht nicht mehr. Man merkt einfach, dass das Spiel aus DER Grafikschmiede schlechthin kommt, die sich auch für Grafikbomben wie Far Cry oder Crysis verantwortlich zeigt. Natürlich ist das ganze noch weit weg von Fotorealismus und auch hier und da sind mir kleine technische Fehler aufgefallen. So verfärbt sich das Wasser von Brunnen und Flüssen nicht, wenn die toten Gegner hinein fallen. Auch sehen Wasserpartikeleffekte noch nicht ganz so sauber aus, wie man es aus Animationsfilmen gewohnt ist, aber das ist auch der Unterschied, wir spielen hier ein Spiel und schauen keinen Film.

Leider scheint Cevat Yerli, CEO von Crytek und Director dieses Spiels, genau das vergessen zu haben. Zu einem Spiel gehört dann auch noch eine gewisse Spielmechanik, auch Gameplay genannt. Dieses beschränkt sich hier auf ein ziemlich überschaubares Kampfsystem. So gibt es zwei Tasten für den Angriff, eine Taste zum Blocken und eine zum Ausweichen. Mit dem rechten Trigger werden Quicktime-Tötungen angesteuert und mit dem rechten Bumper die Slowmotion aktiviert. Es gibt leider kein Kombosystem und ob man bei den Quicktime Events die richtige oder überhaupt eine Taste drückt, ist völlig egal. Einmal angestoßen wird der martialische Kill durchgeführt; nur eben mit mehr oder weniger Punkten, je nachdem, wie oder ob man die Tasten trifft. Die kleineren Zwischeneinlagen mit Speeren und am Geschütz lassen auch nicht viel mehr Spieltiefe aufkommen. Allerdings sollte man bedenken, dass Ryse: Son of Rome ein Beat’em Up bzw. Hack & Slay im Stile von Dynastie Warriors, Devil May Cry oder Ninja Gaiden handelt und kein Action Adventure ist. Nichtsdestotrotz hätte dem Spiel ein variationsreicheres Kampfsystem sicherlich gut getan.

Ryse: Son of Rome ist weit davon entfernt miserabel zu sein, es sieht hervorragend aus, hat eine gute, wenn auch nur kurze Story, die man nach ca. sechs bis acht Stunden durch gespielt hat und eine wirklich gelungene deutsche Sprachausgabe. Das allein täuscht aber natürlich nicht über die sehr simple und repetitive Spielmechanik hinweg. Zudem gibt es auch einen Mehrspielermodus, den ich allerdings bisher noch nicht angerührt habe, was mitunter daran liegt, dass Crytek hier anscheinend auf Mikrotransaktionen setzt um so seinen Charakter besser ausstatten zu können. Ein Trend, dem ich persönlich einfach durch Nichtbenutzung entgegen wirken möchte. Son of Rome ist das perfekte Häppchen für zwischendurch, aber sicher keinen Vollpreis wert.

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